Die Uni Hamburg platzt aus allen Nähten

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Der Campus des Uni ist dieses Jahr so voll wie selten zu vor (Bilder: A. Eser-Ruperti)

Der Campus des Uni ist dieses Jahr so voll wie selten zu vor (Bilder: A. Eser-Ruperti)

Zu kleine Hörsäle, lange Schlangen in der Mensa, Mega-Stau vor den Fahrstühlen und ein überfüllter Campus: Das Wintersemster ist mit 8473 Studienanfängern – 1300 zusätzliche Erstsemestler mehr als 2010 – gestartet. Doppelte Abi-Jahrgänge sowie die Abschaffung von Wehrpflicht und Zivieldienst haben zu einem Bewerberrekord geführt. Das Problem: Es wurden zwar 1300 neue Studienplätze geschaffen, aber die Raumsituation der Uni wurde den neuen Bedürfnissen nicht angepasst.


Daniel (l.) und Sebastian konnten wegen der Überfüllung nicht die Kurse belegen,  die sie gerne besucht hätten

Daniel Klein (l.) und Sebastian Erning konnten wegen der Überfüllung nicht die Kurse belegen, die sie gerne besucht hätten

Die Überfüllung ist besonders in den Hörsälen zu spüren. Marco Podschwat, 25, hat gerade mit dem Studium der Sozialökonomie angefangen. „Manche meiner Kurse sind so überfüllt, dass es nicht genug Sitzplätze für alle Studenten gibt. Viele müssen auf den Stufen sitzen oder auf dem Gang stehen. Dadurch ist es natürlich auch viel lauter, was die Konzentration enorm erschwert“, erklärt er die Situation in der Vorlesung.

Auch Daniel Klein, 21, und Sebastian Erning, 24, die gerade mit ihrem VWL-Studium begonnen haben, sind mit der jetzigen Situation unzufrieden. „In meinem freien Wahlbereich habe ich mich für Psychologie entschieden. Bei der ersten Vorlesung wurden wir dann echt vergrault und uns wurde gesagt, dass sie eigentlich nur Psychologiestudenten nehmen und uns im Wahlbereich auch nicht benoten könnten. Es ist offensichtlich, dass der wahre Grund mangelnde Kapazitäten sind. Deshalb verstehe ich nicht, warum man uns das nicht direkt sagt, sondern sich stattdessen hinter irgendeinem absurden Regelwerk versteckt“, erklärt Daniel Klein sein Problem.


In den BWL-Kursen von Sofia (l.) und Jeannine hält sich die Überfüllung noch in Grenzen

In den BWL-Kursen von Sofia S. (l.) und Jeannine K. hält sich die Überfüllung noch in Grenzen

Andere Studiengänge scheinen mit der Herausforderung, die vielen Studenten unter einen Hut zu kriegen, besser klarzukommen. Die BWL-„Erstsemestler“ Sofia S., 21, und Jeannine K. ,20, haben positivere Erfahrungen gemacht: „Unsere Vorlesungen sind bis jetzt noch gar nicht überfüllt gewesen. Meistens bleiben auch noch Plätze frei, sogar relativ weit vorne. Bis jetzt haben wir auch in der Mensa immer einen Platz gefunden, dort kann es aber schon sehr voll werden“.


Die Mensa ist so voll, dass es für viele schwer ist einen Sitzplatz zu finden

Die Mensa ist so voll, dass es für viele schwer ist, einen Sitzplatz zu finden

Allerdings sind nicht nur die Vorlesungen überfüllt, sondern auch in der Mensa kann es sehr eng werden. „Ich finde, dass alles im Moment sehr überlaufen ist. Hier ist es zwar nach den Semesterferien immer sehr voll, aber ich habe das Gefühl, dass es in diesem Jahr besonders schlimm ist. Die Überfüllung betrifft auch den Campus und die Mensa. Dort ist es besonders spürbar, denn man steht teilweise ewig an und die Sitzplätze sind auch sehr begrenzt“, erzählt Christin Bauer, 22.

Die bei den Studenten sehr beliebte „Pony Bar“ am Grindelhof, verzeichnet jedoch keinen Anstieg an Kunden. „Hier war es zu Semesterbeginn schon immer sehr voll, ich habe nicht das Gefühl, dass es dieses Jahr hier spürbar mehr ist“, sagt eine Pony-Bar-Mitarbeiterin.


Auch an den Fahrstühlen bilden sich lange Schlangen

Auch an den Fahrstühlen bilden sich lange Schlangen

Doch auch der AStA der Universität Hamburg bekommt die Überfüllung deutlich zu spüren. „Teilweise haben wir so viele Anrufe und Anfragen bekommen, dass wir das Telefon in unserem Info-Café abstellen mussten. Anders wären wir einfach nicht hinterhergekommen. Normalerweise reicht die eine Person, die dort arbeitet aus, um alle Nachfragen zu koordinieren“, erklärt Jan-Peter Jannack, Pressesprecher des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA).

Auch zum Thema „Einklage“ gingen bei der AStA extrem viele Anfragen ein. „Wir haben so viele Anrufe bekommen, dass wir dann einen „Schritt für Schritt zur Einklage“-Plan online gestellt haben, auf den wir am Ende nur noch verwiesen haben“, erklärt Jannack. Die Einklage-Statistik zeigt noch einmal eindrucksvoll, wie groß die Problematik ist: „2009 haben sich rund 300 Leute erfolgreich eingeklagt, dieses Jahr waren es nur rund 60“, führt er aus. Diese Statistik belegt, wie groß der Studienplatzmangel an der Universität Hamburg ist.


Antonia Eser-Ruperti


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