Großer Ärger um eine kleine Schulpforte

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Der Haupteingang der Grundschule Turmweg (Bilder: HA)

Der Haupteingang der Grundschule Turmweg (Bilder: HA)

An der Türklinke klebt noch ein bisschen Rasierschaum – offenbar letzte Reste von Halloween. Doch eigentlich dürfte sich hier niemand die Finger schmutzig machen, denn an der Metallpforte hängt unübersehbar ein DIN-A4-Blatt mit folgender, bereits etwas verwischter Aufschrift: „Pforte geschlossen. Bitte den Haupteingang Turmweg 33 benutzen!!!“ Auch die Feuerwehrzufahrt ein paar Meter weiter ist abgesperrt.

Seit einem Unfall, bei dem Anfang September ein Schüler der Grundschule Turmweg angefahren und verletzt wurde, ist der zweite Eingang, der von der Hallerstraße auf das Schulgelände führte, gesperrt. Der Erstklässler hatte bei dem Unfall eine Gehirnerschütterung und Schnittwunden im Gesicht erlitten. „Er ist gestolpert und dann von einem Linienbus angefahren worden“, sagt eine Mutter, deren Sohn mit dem Unfallopfer in eine Klasse geht.


Der Nebeneingang an der Hallerstraße ist geschlossen. Immer wieder klettern Schüler trotzdem über die Pforte

Der Nebeneingang an der Hallerstraße ist geschlossen. Immer wieder klettern Schüler trotzdem über die Pforte

Die Schule sucht nun händeringend nach einer neuen Lösung, denn immer wieder ignorieren Eltern das Verbot und heben erst ihre Kinder über den Zaun, danach deren Schulranzen. Manche klettern dann auch noch selbst hinterher. Andere halten auf dem Busstreifen an der Ecke Hallerstraße/Mittelweg, um ihre Kinder aussteigen zu lassen, was nach Angaben der Polizei erlaubt ist, oder aber verbotswidrig in der Buswendeschleife gegenüber der Haltestelle. „Kinder über die abgesperrte Tür zu heben, ist pädagogisch nicht gerade vorbildlich“, sagt die Elternratsvorsitzende Kristiane Schlaak. Für viele sei aber der Haupteingang am Turmweg ein sehr großer Umweg. „Darüber sind wir sehr unglücklich, obwohl die Entscheidung der Schulleitung, den Eingang an der Hallerstraße zu schließen, nachvollziehbar ist.“

Ulrike Lammen, die mit Beginn des neuen Schuljahrs die Schulleitung übernommen hat, muss nun die aufgebrachte Elternschaft besänftigen. Ihre umstrittene Vorgängerin war im Sommer zurückgetreten, nachdem die Grundschule bei der Schulinspektion extrem schlecht abgeschnitten hatte und es deshalb noch mehr Ärger an der Schule gegeben hatte.

Die neue Schulleitung geht mit den Problemen sehr offensiv um und sucht das Gespräch mit allen Beteiligten. Bei einer Elternvollversammlung zum Thema „Verkehrssituation Hallerstraße“ Ende September wurden bereits unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten diskutiert – da war von Tempo 30 für die Hallerstraße die Rede und von einem Zebrastreifen. Der Ausschuss „Sicherer Schulweg“ will nun ein Verkehrskonzept erarbeiten. „Wir haben inzwischen Fragebögen an die Eltern ausgeteilt, um eine Bewegungsstatistik zu bekommen und zu wissen, aus welchen Richtungen die Kinder kommen“, sagt die Elternratsvorsitzende Schlaak. Insgesamt besuchen 440 Kinder die Schule.

Für die Schulbehörde ist ein Punkt wesentlich: „Mehr Schüler und Schülerinnen sollen zu Fuß zur Schule gehen, und die Verkehrserziehung wird gefördert“, sagt Behördensprecher Peter Albrecht. Genau darin besteht derzeit das Hauptproblem: Viele Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zum Turmweg und wollen diese möglichst auch noch auf das Schulgelände begleiten.

Während es an der Hallerstraße auf dem Parkplatz viele freie Plätze gibt, geht es morgens und mittags am Turmweg entsprechend chaotisch zu. Direkt vor dem Eingang führt ein Zebrastreifen über die Straße, die an dieser Stelle einspurig wird. Der Verkehr staut sich zu beiden Seiten, zumal Parkplätze knapp sind, viele Eltern in zweiter Reihe parken und damit die Fahrbahn zusätzlich verengen. „Mein Kind ist Erstklässler, ich muss ihn in die Klasse bringen“, sagt eine Mutter, deren Sohn die 1a besucht. Durch die Sperrung des zweiten Eingangs habe sich die Verkehrssituation am Turmweg zugespitzt. „Für die Kinder ist es noch gefährlicher geworden. Dabei gibt es doch die vielen freien Parkplätze an der Hallerstraße. Das ist mir alles unbegreiflich.“

Allerdings war die Pforte an der Hallerstraße offenbar schon früheren Schulleitungen ein Dorn im Auge: Das Gartenbauamt hat sie eingebaut, weil die Schüler der Katholischen Schule Hochallee für ihren Sportunterricht zum Turmweg kommen. „Aus polizeilicher Sicht war die Pforte schon immer problematisch, aber der Elternrat hat gegen die Schließung gestimmt“, sagt Polizeihauptkommissar Dieter Becker von der zuständigen Straßenverkehrsbehörde. Umwege müssen nun aber auch Eltern und Kinder auf sich nehmen, die das Lehrschwimmbad auf dem Schulgelände besuchen.

Polizeihauptkommissar Becker hält einen Zebrastreifen an der Hallerstraße für keine geeignete Lösung: „Er vermittelt Sicherheit, aber die ist dort nicht gegeben“, sagt Becker. Die Polizei sei aber nach dem Unfall bereits tätig geworden und habe am Mittelweg eine Tempo-30-Strecke eingerichtet – zwischen Hallerstraße und Böhmersweg. Das Parkverbot sei an der Stelle aufgehoben, „die Eltern können ihre Kinder dort sicher ein- und aussteigen lassen.“ Einen weiteren Zugang zur Schule müsse es nicht geben: „Es gibt einen sicheren Schulweg, den über den Turmweg. Mehr als einer ist nicht vorgesehen.“

Die Schulbehörde hilft bei der Suche nach einer besseren Lösung. Nach Angaben von Peter Albrecht soll es nun eine „Verkehrsschau“ geben, eine Art runden Tisch mit allen Beteiligten wie Schule, Eltern, Schulbehörde, Bezirk und Polizei. „Auf Basis des Verkehrskonzepts sollen die Vorschläge aus unterschiedlichen Perspektiven geprüft und bewertet werden.“

„Uns wäre sehr an einer Verkehrsberuhigung und einem Zebrastreifen gelegen, denn die Hallerstraße ist zu einer echten Rennstrecke geworden“, sagt Kristiane Schlaak.

„Am Geld sollte es nicht scheitern“, sagt dazu eine Mutter auf dem Schulhof, deren Sohn ebenfalls mit dem Unfallopfer in dieselbe Klasse geht. „Wenn es darum geht, legen wir Eltern gern für einen Zebrastreifen zusammen.“

Elisabeth Jessen

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