Hebräisch-Unterricht und koschere Speisen: Einblicke in den jüdischen Schulalltag

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Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Gebäudes wurde an der Joseph-Carlebach-Schule am heutigen Sonntag ein Informationstag veranstaltet (Bilder: L. Fröhling)

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Gebäudes wurde an der Joseph-Carlebach-Schule am heutigen Sonntag ein Informationstag veranstaltet (Bilder: L. Fröhling)

Tag der offenen Tür in der Joseph-Carlebach-Schule am Grindelhof: Zur Feier des 100-jährigen Bestehens des Gebäudes luden Schüler und Lehrer am heutigen Sonntag in die Räumlichkeiten der Schule ein und gewährten den Besuchern Einblicke in den Unterrichtsalltag gemäß jüdischen Traditionen.

Musik- und Themenkurse präsentierten das Ergebnis ihrer Arbeit, Eltern konnten sich an einem Info-Stand über die Schule informieren und in den Klassenräumen konnte an verschiedenen Stationen gemalt, gebastelt und experimentiert werden.

100 Schüler besuchen die Joseph-Carlebach-Schule derzeit, erzählte Schulleiter Gerd Gerhard. Für sie ist nicht nur die Teilnahme am jüdischen Religionsunterricht Pflicht, sie müssen auch die hebräische Sprache lernen. Schon in der Vorschule stehen pro Woche neben vier Stunden Englisch auch vier Stunden einsprachiger Hebräisch-Unterricht auf dem Stundenplan, erklärte Vorschullehrer Stefan Dannheiser. Dazu kämen zwei Stunden Religionsunterricht auf hebräisch. „Es ist erstaunlich, wie schnell die Kinder in dem Alter die neue Sprache lernen“, so der Pädagoge.


Hebräisch liest man von rechts nach links, im Buch von hinten nach vorn: Hebräischlehrerin Chavi Ohana erklärte den Besuchern das Tan AM-Programm

Hebräisch liest man von rechts nach links, im Buch von hinten nach vorn: Hebräischlehrerin Chavi Ohana erklärte den Besuchern das Tan AM-Programm

Vermittelt wird den Schülern die hebräische Sprache nach dem sogenannten Tal AM-Programm, einer speziell für Kinder entwickelte Lehrmethode, bei der viel mit Bildern gearbeitet wird.

Doch die verpflichtende Teilnahme an Hebräisch- und jüdischem Religionsunterricht ist nicht der einzige Aspekt, in dem sich der Schulalltag an der Joseph-Carlebach-Schule von dem an anderen Schulen unterscheidet: Auch die Verpflegung läuft hier anders ab als anderswo. Drei koschere Mahlzeiten werden den Schülern an jedem Schultag serviert.

„Unser Koch bereitet hier im Haus ein Frühstück, ein Mittagessen und einen Nachmittagsimbiss für die Schüler zu“, so Schulleiter Gerhard. Es sei verboten, selbst Lebensmittel mit in die Schule zu bringen.

„Zu Beginn einer Mahlzeit halten wir immer ein Tischgebet, und die Jungen müssen zum Essen die Kippa tragen“, erzählte die Fünftklässlerin Michelle Farber.


Wie viele andere Schüler auch war die Fünftklässlerin Michelle Farber (9) als "Scout" im Einsatz und führte durch die verschiedenen Räume

Wie viele andere Schüler auch war die Fünftklässlerin Michelle Farber (9) als "Scout" im Einsatz und führte durch die verschiedenen Räume

Wie viele andere Schüler auch war sie heute als „Scout“ im Einsatz und eifrig damit beschäftigt, den Besuchern die Räumlichkeiten der Schule zu zeigen und die verschiedenen AGs und Angebote zu erklären – von der Bibliothek über den Speisesaal bis Hebräisch-Raum.

An jüdischen Feiertagen ist an der Joseph-Carlebach-Schule unterrichtsfrei. Dafür könnten Frühjahrs- und Sommerferien dann etwas kürzer ausfallen als an anderen Schulen, sagte Schulleiter Gerhard.

An Freitagen ist um 13.30 Uhr Unterrichtsschluss, damit sich die Schüler zu Hause auf den Schabat vorbereiten könnten, erzählte Michelle Farber.


"Das ist die Schöpfungsgeschichte auf Hebräisch", erklärte die neunjährige Michelle

"Das ist die Schöpfungsgeschichte auf Hebräisch", erklärte die neunjährige Michelle

Derzeit besuchen Schüler der Klassen 1 bis 5 die Joseph-Carlebach-Schule im Gebäude der ehemaligen Talmud-Tora-Realschule am Grindelhof.

Wer jetzt in die fünfte Klasse gehe, werde aber an der Schule auch Abitur machen können, so Schulleiter Gerd Gerhard. Die Schule solle zur Stadtteilschule ausgebaut werden; bis zum Jahr 2020 solle das Gebäude, in dem momentan noch die jüdische Gemeinde ihren Sitz habe, reines Schulgebäude sein.


Geht hier gern zur Schule: die neunjährige Sabine Bogutskiy

Geht hier gern zur Schule: die neunjährige Sabine Bogutskiy

Michelle Farber und ihre Freundin Sabine Bogutskiy, beide neun Jahre alt, gehen hier gern zur Schule. „Ich habe hier viele Freunde gefunden, alle gehen nett miteinander um und ich finde es schön, dass ich hier Hebräisch und Englisch lernen kann“, sagte Sabine. „Und außerdem kocht der Koch sehr gut!“


Lisa Fröhling

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