Klub am Alsterufer: Ist niemand reif für die Insel?

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Die Insel am Alsterufer (Bild: Reto Klar)

Die Insel am Alsterufer (Bild: Reto Klar)

Sie ist ein wahres hanseatisches Schmuckstück, die Insel am Alsterufer. Eigentlich. Betrachtet man die jüngere Vergangenheit des ehemaligen Party- und Gourmet-Tempels, ist er keine Zierde mehr für diese feine Gegend. Vielmehr wird der frühere Treffpunkt der Schönen und Wohlhabenden gerade seinem Schicksal überlassen und steht seit mehr als einem Jahr leer.

Ende März dieses Jahres hatten die drei Gastronomen und Brüder Bahram, Bahman und Behrous Moaiyeri großes Interesse bekundet. Sie wollten das Haus pachten, um daraus wieder einen Anziehungspunkt für die Hamburger Gesellschaft zu machen.

Doch die Verhandlungen des Trios mit dem Eigentümer, der Robert Vogel GmbH, scheiterten. „Es gab damals Gespräche, und wir hatten die Anforderung gestellt, dass die Robert Vogel GmbH die nötigen Genehmigungen einholt, die für den Betrieb eines Klubs notwendig sind“, sagt Behrous Moaiyeri. Gemeinsam mit seinen Brüdern führt er das Restaurant Raven am Mittelweg, die Turnhalle in St. Georg und die Riverkasematten am Fischmarkt.

„Seitdem haben sie sich nicht mehr gemeldet, und wir haben nichts mehr gehört“, sagt Moaiyeri. „Damals ging es auch um Schallschutzmaßnahmen, denn hinter der Insel sind viele Wohnhäuser. Da stellte sich auch die Frage, ob das nicht finanziell den Rahmen sprengen würde“, sagt er. Er wisse derzeit auch nicht, ob die Eigentümer grundsätzlich in diesem Gebäude wieder eine Gastronomie zulassen würden. Jedoch: „Wir lieben Bauwerke mit Geschichte. Wenn es noch einmal zu Verhandlungen kommt: Ich habe noch Interesse und würde es sofort machen.“

Doch sehr wahrscheinlich wird es dazu nicht kommen. Denn einen Klub mit lauten Partygästen und Lärm bis in den frühen Morgen will die Robert Vogel GmbH nicht. „Ja, wir suchen immer noch nach einem neuen Pächter, der sich langfristig an diese Immobilie binden will“, sagt Wolfgang Apel, Geschäftsführer der Robert Vogel GmbH.

„Aber eine Partylocation geht gar nicht. In der Insel wird es keine Dauerpartys wie früher einmal geben.“ Damit meint Apel die bewegte Zeit, in der unter anderem der selbst ernannte Partykönig Michael Ammer dort die Halbwelt-Prominenz versammelte und wilde Feten veranstaltete. „Bei den Herren Moaiyeri und uns lagen die Konditionen zu weit auseinander“, sagt Apel. „Wir möchten einen Pächter, der hier eine hochwertige Gastronomie etabliert, ein Restaurant, vielleicht mit Lounge-Bereich unten.“ Für alles andere sei das Wohnumfeld zu hochwertig. Und er wisse, dass einige Grundinvestitionen nötig seien und die Immobilie mit drei Stockwerken nicht einfach zu betreiben sei. „Wir haben mit einigen Gastronomen Gespräche geführt und sind noch auf der Suche. Aber bis wir einen geeigneten Pächter gefunden haben, bleibt die Insel leer.“ Bei der Robert Vogel GmbH habe man sich eine Frist bis Ende März nächsten Jahres gesetzt, dann wolle man über alterna-tive Nutzungskonzepte nachdenken. „Das ist aber noch weit weg“, sagt Apel, „dann kann man über die Nutzung als Bürofläche oder auch über Umwandlung in Wohnungen nachdenken.“

Die bewegte Vergangenheit der Insel mit vielen Festen begann nach dem Zweiten Weltkrieg: 1946 wurde in den Räumen der 1917 erbauten Villa ein intellektueller Künstlerklub gegründet, schon seit den frühen 60er-Jahren feierten hier Stars wie die Schauspielerin Romy Schneider, der Tenor Placido Domingo und der Sänger Harry Belafonte rauschende Feste. Danach übernahm der damalige Sternekoch Michael Wollenberg den In-Treff mit atem-beraubendem Alsterblick, um die Jahrtausendwende begann Party-Löwe Michael Ammer im damaligen „Wollenberg“ in der Insel Partys zu veranstalten. Legendär waren auch die „Sylter Nächte“, bei denen mehr als 500 Gäste dicht gedrängt bei Housemusik tanzten, Champagner und Cocktails tranken. Bis der Limousinen-Shuttle-Service die Halbweltprominez und Partyhühner dann zur nächsten Ammer-Sause, der damals berühmten und berüchtigten Hamburger Modelnacht in den Bunker-Klub auf dem Heiligengeistfeld kutschierte. Nicht grundlos bekam beispielsweise Hamburgs damaliger Innensenator Ronald Schill in dieser Phase der Insel den Spitznamen „Partynator“.

Es ging laut zu in der Insel, die Polizei sah öfter vorbei, es hagelte Anzeigen. Wollenberg schmiss Ammer deshalb heraus, als Gesellschafter kamen Bauinvestor Dieter Becken, Unternehmer Hagen Rickmann, Ian K. Karan und Detlef Fischer dazu. Doch auch ihre Pläne scheiterten.

Ende 2009 zog die Kaffeehauskette Julius Meinl ein, doch das gediegene Konzept des Wiener Unternehmens ging nicht auf. Der vorerst letzte Flop kam mit den Gastronomen Hans Buckenhüskes und Nikolaus Mroch, die den Ex-Sternekoch Josef Viehhauser als Küchenchef engagieren wollten – und gar nicht erst eröffneten.

Es ist nicht zu erwarten, dass 2011 noch Näheres über die Zukunft der Insel herauskommt. Klar ist nur: Sehr laut wird es am Alsterufer 35 vorerst nicht werden.

Camilla John

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