Magath über Rieger: „Immer ein Mann des Volkes“

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Freude eines Kultmasseurs: Hermann Rieger ist "Hamburger des Jahres" 2011 (Bild: B. Fabricius)

Freude eines Kultmasseurs: Hermann Rieger ist "Hamburger des Jahres" 2011 (Bild: B. Fabricius)

Sie sind stille Helden. Bescheidene Hanseaten, die sich nicht ins Rampenlicht drängen. Hamburger, die Großartiges tun – ohne großartig darüber zu sprechen. Deshalb waren es gestern Abend auch prominente Laudatoren, darunter Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), Ex-Hockey-Nationalspielerin Britta Becker-Kerner und Fußball-Erfolgstrainer Felix Magath, die die richtigen Worte fanden für die „Hamburger des Jahres“.

Mit diesem Titel zeichnete der Fernsehsender Hamburg 1 zum 13. Mal in einer glanzvollen Gala, die von 20 Uhr an live aus dem gläsernen Studio an der Rothenbaumchaussee übertragen wurde, in sechs Kategorien herausragende Persönlichkeiten der Stadt aus. „Geschichten statt Glamour, das ist das Motto des Abends. Wir wollen Menschen würdigen, die in diesem Jahr viel für unsere Stadt getan haben“, sagte Hamburg-1-Chefredakteur und Geschäftsführer Michael Schmidt, der die eineinhalbstündige Gala mit seiner Kollegin Lisa Reimnitz moderierte – vor 250 geladenen Gästen im Studio und Tausenden von Hamburgern zu Hause vor den Fernsehgeräten.

Zunächst wurde der Preis für Fairness und Courage verliehen. „In Hamburg haben wir mit der EHEC-Epidemie erlebt, wie die Unsicherheit über eine nicht wirklich fassbare Bedrohung mitten in unser Alltagsleben gekrochen kam“, sagte Bürgermeister Olaf Scholz. Die Mitarbeiter aller Hamburger Kliniken hätten diese Krise „auf bewundernswerte Weise“ gemeistert. „Solche Belastungssituationen erfordern hohes persönliches Engagement. Das hat jeder aufgebracht – weit über die reguläre Arbeitszeit hinaus.“ Wie die Krankenschwestern Jeannette Dridi (UKE) und Branka Kokorus (AK Altona), die die Auszeichnung stellvertretend für alle Pfleger und Ärzte entgegennahmen.

Ein emotionaler Beitrag erinnerte kurz darauf an die kleine Jessica aus Jenfeld, die 2005 in der elterlichen Wohnung verhungert war. Es war eine Tragödie, die Hamburg und die Republik erschütterte und die Arbeit von Thies Hagge grundlegend veränderte. Der Pastor begann, aktiv etwas gegen die soziale Not in seinem Viertel zu unternehmen. Gestern wurde sein soziales Engagement gewürdigt. „Auf den Tag fast sechs Jahre nach der Gründung der Arche wird die gute Seele des Stadtteils geehrt“, sagte Ex-Blümchen Jasmin Wagner, die selbst in Jenfeld geboren und aufgewachsen ist.

In der Kategorie Sport ehrte Britta Becker-Kerner den überaus erfolgreichen Hockey-Nationaltorwart Tim Jessulat vom Club an der Alster, in der Kategorie Wirtschaft verlieh der frühere Bürgermeister Ole von Beust (CDU) den Preis an Budnikowsky-Chef Cord Wöhlke. Der Unternehmer, der regelmäßig alle 157 Filialen seiner Drogeriemarktkette besucht und mit den Mitarbeitern das Gespräch sucht, gilt als Firmenchef mit humanistischem Anspruch. „Wir dürfen nicht immer nur auf die Rendite schielen und dabei die Menschlichkeit aus den Augen verlieren“, sagte Cord Wöhlke unter großem Applaus. Die Laudatio auf Kampnagel-Intendantin Amelie Deuflhard, eine der erfolgreichsten Kulturschaffenden der Stadt, hielt die Publizistin und frühere Berliner Kultursenatorin Adrienne Goehler, die Mitte der 1980er-Jahre für die GAL in der Hamburgischen Bürgerschaft saß.

Höhepunkt und krönender Abschluss war die Ehrung des HSV-„Kult-Masseurs“ Hermann Rieger für sein Lebenswerk. „Hermanns heilende Hände waren gefragt, sein Einsatz unermüdlich, seine Menschlichkeit geschätzt“, sagte VfL-Wolfsburg-Trainer Felix Magath, ein enger Freund Riegers. „Er war immer ein Mann des Volkes, hatte ein Ohr für jeden Fan.“ Und blieb bescheiden – wie alle „Hamburger des Jahres“.


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