Studieren mit Kind: „Das lässt sich alles managen!“

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Sophie Orlati mit Söhnchen Pavel (Bilder: L. Fröhling)

Sophie Orlati mit Söhnchen Pavel (Bilder: L. Fröhling)

Vorlesungen besuchen, für Klausuren büffeln, Hausarbeiten schreiben und Referate vorbereiten – der Studienalltag allein kann manchmal schon ganz schön stressig sein. Sich da nebenbei noch um ein Kind – oder sogar um mehrere Kinder – zu kümmern, ist für viele Studierende wohl nicht vorstellbar. Aber: Unmöglich ist es nun auch wieder nicht.

Laut einer Erhebung des Studierendenwerks* haben acht Prozent der Hamburger Studenten mindestens ein Kind. Damit liegt die Hansestadt über dem Bundesdurchschnitt: Bundesweit sind nur fünf Prozent der Studierenden Eltern.

Eine derjenigen, die Kinder und Studium unter einen Hut bringen müssen, ist Sophie Orlati. Zusammen mit ihrem Ehemann kümmert sich die 31-jährige Soziologiestudentin um gleich zwei Kinder: den dreijährigen Pavel und den 14 Monate alten Milo.

Beide Jungs haben einen Platz in der Kita KinderCampus, die in unmittelbarer Nähe zu Stabi, WiWi-Bunker und Philturm direkt auf dem Unigelände liegt. Der KinderCampus ist eine von fünf Kitas, die das Studierendenwerk betreibt und studentischen Eltern so unter die Arme greift. Drei der Einrichtungen – der KinderCampus, die Kita in der Bornstraße und die Kita an der Hallerstraße – befinden sich im Uni-Viertel. Eine weitere befindet sich am UKE, die fünfte, nämlich die Kita Die Stifte, in der Stiftstraße nahe der HAW. Laut Jürgen Allemeyer, dem Geschäftsführer des Studierendenwerks, ist auch eine Kita an der TU Harburg in Planung.


Die KitaCampus ist eine der Kindertagesstätten, die das Studierendenwerk betreibt

Die KitaCampus ist eine der Kindertagesstätten, die das Studierendenwerk betreibt

In diesen Tagesstätten werden die Kinder von Studierenden und Universitätsmitarbeitern bei der Platzvergabe bevorzugt, erklärt Allemeyer.
Die Kitas des Studierendenwerks verstünden sich als vorschulische Bildungseinrichtungen, in denen viel für die sozialen und emotionalen Kompetenzen der Kinder getan werde.

Gleichzeitig hätten die Einrichtungen aber auch eigene Schwerpunkte. Der KinderCampus beispielsweise sei eher naturwissenschaftlich ausgerichtet, in der Bornstraße stehe der internationale Austausch im Zentrum und an der Hallerstraße gebe es eine Kita-Küche. Von dort aus werden auch die anderen Kitas mit Essen versorgt.

Dass Pavel und Milo in der Kita verpflegt werden, nimmt Sophie schon einmal einiges an Arbeit ab. „Die Kinder bekommen hier ihr Frühstück, ihr Mittagessen und auch noch die ‚Schmause-Pause‘ zwischendurch“, erzählt die Studentin.
Und ansonsten gibt’s für die Kinder studierender Eltern seit dem Wintersemester 2010/2011 in den Mensen einen kostenlosen Kinderteller.

Neben den Kindertagesstätten bietet das Studierendenwerk auch flexible Betreuungangebote in den späten Nachmittags- und frühen Abendstunden an. Studierende Eltern, die zu dieser Zeit noch Vorlesungen und Seminare besuchen, können ihren Nachwuchs im Rahmen des Projekts Casper in die Obhut von Betreuern geben. Einen solchen Spielgruppenplatz kann man tageweise für die Dauer eines Semesters buchen.

Und auch an Wohnraum für Studierende mit Kind ist gedacht: In der Wohnanlage an der Bornstraße stellt das Studierendenwerk zum Beispiel Bleiben speziell für studierende Mütter zur Verfügung; ebenso im Wohnheim an der Armgartstraße in Uhlenhorst.

Falls einmal individuelle Probleme auftauchen, können Studierende mit Kind sich Hilfe im Beratungszentrum Soziales und Internationales holen.

An Betreuungs- und Beratungsangeboten ist also einiges vorhanden – und Studierendenwerk-Geschäftsführer Allemeyer meint sogar: „In Hinblick auf Karriereplanung gibt es eigentlich keinen günstigeren Zeitpunkt zum Kinderkriegen als die Studienzeit.“ Denn für diejenigen, die nach abgeschlossenem Studium ins Berufsleben einsteigen wollen, werde ein Kinderwunsch schnell zum „Einstellungs-Killer“. Anstatt über die Not studierender Eltern zu klagen, müsse man eine Infrastruktur schaffen, die diese Not gar nicht erst zustande kommen lasse, so Allemeyer. „Und das ist das Ziel des Studierendenwerkes.“

Sophie Orlati jedenfalls würde nicht sagen, dass die Doppelbelastung sie in eine Notlage gebracht hätte. „In der Zeit nach Pavels Geburt haben mein Mann und ich gemerkt, dass sich Studium und Familie eigentlich viel besser vereinbaren lassen, als wir befürchtet hatten. Mein Mann war damals auch noch Student, und da es so gut lief, haben wir uns ganz bewusst entschieden, auch noch ein zweites Kind zu bekommen“, erzählt sie. Da sie noch nach der alten Studienordnung auf Diplom studiert, hat sie bei der Gestaltung ihres Stundenplans auch noch relativ viel Freiheit. Das habe die Sache sicher auch erleichtert, meint Orlati. „Während der Schwangerschaft habe ich zum Teil kaum noch Seminare besucht.“ Sie kenne aber auch Bachelor-Studenten, die Eltern- und Studentenrolle gleichzeitig erfüllen. „Da kann man dann auch auf ein Teilzeit-Studium umstellen“, meint die studierende Mutter. Und während die Kinder zwischen 8 und 16 Uhr in der Kita sind, hat sie Zeit, sich wenige Meter weiter in der sozialwissenschaftlichen Bibliothek ihrer Diplomarbeit zu widmen.

„Natürlich ist es manchmal stressig“, meint Sophie Orlati. Aber so schlimm, wie viele es sich vorstellen, sei es nun auch wieder nicht. „Das lässt sich alles managen.“


Lisa Fröhling


* 19. Sozialerhebung des Studierendenwerks Hamburg, Erhebungszeitraum: 2009; Redaktionsschluss: Dezember 2010.

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