Studieren ohne Barrieren an der Uni Hamburg

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Prof. Dr. Bernd Kritzmann stellt das Projekt vor, eine Mitarbeiterin übersetzt in Gebärdensprache (Bilder: K. Schwarz)

Prof. Dr. Bernd Kritzmann stellt das Projekt vor, eine Mitarbeiterin übersetzt in Gebärdensprache (Bilder: K. Schwarz)

Eigentlich klingt es selbstverständlich: Eine Universität, in der jeder Studierende ohne Hindernisse am akademischen Leben teilhaben kann. In der sich jeder ohne Einschränkungen bewegen kann, und in der Räumlichkeiten und Inhalte für jeden zugänglich sind. So plausibel diese Vorstellung auch sein mag – so fern ist sie noch immer. Denn Studierende mit Behinderungen stehen im universitären Alltag nach wie vor vielen Hürden gegenüber. Inmitten wiederkehrender Debatten über gerechte, inklusive Bildungssysteme, führen die Problemlagen dieser Menschen zu neuen Aufgaben. Ist es möglich, eine grenzenlose Universität zu schaffen?

Verschiedene Entwürfe werden erklärt

Verschiedene Entwürfe werden erklärt

Diese Frage stellten sich Architekturstudierende der HafenCity Universität (HCU) in Hamburg. Im Wintersemester 2010/2011 führten sie unter der Leitung von Prof. Dr. Bernd Kritzmann und in Zusammenarbeit mit der Universität Hamburg sowie dem dortigen
Zentrum für Disability Studies (ZeDis) ein Projekt durch, bei dem sie Konzepte für ein barrierefreies Universitätsgebäude erstellten.

Am Dienstag, 3.5., präsentierten die Masterstudierenden im Audimax der Universität Hamburg ihre Ergebnisse. Die Ausstellung „Barrierefreie Universität“ umfasst insgesamt 17 Entwürfe, die noch bis zum 20. Mai täglich von 9 bis 19 Uhr begutachtet werden können. In ihren Arbeiten haben die Studierenden ein Grundstück an der Moorweidenstraße beplant, das zwischen Staats- und Universitätsbibliothek und der Freimaurer Loge liegt. Dabei verbanden sie Ideen der grenzenlosen Nutzung mit modernen Gestaltungselementen. Auf den Entwürfen können Rollstuhlfahrer ohne Umwege ihre Arbeitsräume aufsuchen, Rampen und Fahrbänder ersetzen die Treppen. Hörbehinderten werden Vorlesungen in Schriftform oder mit Gebärdendolmetschung angeboten, Sehbehinderte können auf Tonübertragungen zurückgreifen. Das Lernen und Arbeiten spielt sich nicht mehr nur in den Hörsälen ab, sondern wird auf Sitznischen, Gruppenarbeitsplätze und Cafés verlagert, wo neue Orte der Kommunikation und des Austausches entstehen. Prof. Dr. Gerlinde Renzelberg vom Zentrum für Disability Studies (ZeDis): „Das Lehrhaus ist nicht nur für Menschen mit Behinderungen gedacht, sondern soll ein Treffpunkt für alle sein.“

So könnte ein modernes Universitätsgebäude aussehen

So könnte ein modernes Universitätsgebäude aussehen

Auch die Verwaltung der Universität Hamburg begrüßt das Vorhaben, ein barrierefreies Universitätsgebäude zu schaffen. „Wir hoffen, dass diese Ideen bei der zukünftigen Sanierung der Universität berücksichtigt werden“, sagt Prof. Dr. Holger Fischer, Vizepräsident des Bereichs Studium und Lehre an der Uni Hamburg. „Wenn das geschieht, haben wir einen großen Schritt getan.“ Fischer beschreibt die derzeitige Lage für Studierende mit Behinderungen als „teilweise in Ordnung, teilweise problematisch“. So könne man das Hauptgebäude der Universität Hamburg, da es sehr alt ist und entsprechend konstruiert wurde, nur eingeschränkt behindertengerecht gestalten. Maike Gattermann, Koordinatorin für die Belange von Studierenden mit Behinderung oder chronischer Erkrankung, schätzt, dass etwa 4 Prozent der Studierenden der Universität Hamburg mit einer Behinderung leben. Ihnen werde man derzeit nur bedingt gerecht. „Es hat sich in den letzten Jahren viel getan, aber die Situation ist noch immer unbefriedigend.“ Sie sieht Probleme in der ungesicherten Finanzierung und in den baulichen Gegebenheiten: Der Campus ist weitläufig und auf viele Gebäude verteilt, was Umstrukturierungen erschwert. Gattermann hofft, dass die Belange behinderter Studierender in den nächsten Jahren stärker berücksichtigt werden. Da die Universität nicht in die HafenCity verlagert wird, sondern an Ort und Stelle bleibt, stehen in den kommenden Jahren umfassende Sanierungsarbeiten an. Die Ausstellung im Audimax kann wegweisend sein: Sie zeigt, dass der Gedanke einer grenzenlosen Nutzung keine Vision bleiben muss.

Kim Schwarz

Ausstellung „Barrierefreie Universität“: 4. bis 20. Mai, 09 bis 19 Uhr, Audimax Universität Hamburg, Von-Melle-Park 4, freier Eintritt

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