Torsten Römling kocht jetzt ohne Mikro

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Heute steht Torsten Römling zum letzten Mal im Studio an der Rothenbaumchaussee (Bild: S. Wallocha)

Heute steht Torsten Römling zum letzten Mal im Studio an der Rothenbaumchaussee (Bild: S. Wallocha)

Warum ihm wohl immer wieder diese Chanson-Zeile von Katja Ebstein durch den Kopf geht? „Abschied ist ein bisschen wie sterben“, singt Torsten Römling ausgesprochen fröhlich vor sich hin, in dem Glaskasten, in dem NDR 90,3 – die Hamburg-Welle des Senders – untergebracht ist. Vor 41 Jahren hat er zum ersten Mal in ein NDR-Mikrofon gesprochen.

Journalist wolle er immer werden. Das hatte der 1949 in Blankenese geborene Abiturient im Christianeum zu Protokoll gegeben und jobbte als Student bei der „Hamburger Morgenpost“. Fasziniert hatte ihn das Radio aber schon als Kind, erst ein alter Volksempfänger, dann ein schickes neues Modell mit dem magischen grünen Auge. „Alle deutschen Schlager, die ich kenne, hab ich damals gehört.“ Welcher Sender? „Damals sagten wir: Wir hören UKW“, lacht er. Haussender war aber schon der NWDR, aus dem NDR und WDR hervorgingen. Und jeden Abend um zwanzig nach sieben gab es die Gute-Nacht-Geschichte, die Max Schweigmann immer mit der Aufforderung beendete: „Und nun husch, husch ins Körbchen!“

Der begabte Leichtathlet Römling (1967 Deutscher Jugendmeister mit der viermal 100-Meter-Staffel) rief den NDR-Sportchef an, der erinnerte sich an den jungen Sportler und lud ihn ein, zeigte ihm, wie Radio funktioniert, holte ihn 1970 als Volontär zum NDR. Römling berichtete 1971 von der Kieler Woche und 1972 für die ARD vom Segeln bei den Olympischen Spielen. Dann kam, nach einigen Seminaren, das Reiten als Fachgebiet dazu. Römling hat als Sportreporter die halbe Welt gesehen. Wenn er von seiner Karriere am Mikrofon erzählt, fallen viele Namen, die den NDR-Hörfunk geprägt haben – Günter Fink, Jörg Wontorra, Friedhelm Mönter, Carl-Wilhelm Lohmann – und man spürt: Hier geht wieder eine Stimme, die bei den Hörern schon lange zur Familie gehört. Die Älteren kennen ihn auch vom „NDR 2 – der Club“ und von „NDR 2 am Vormittag“. Im Fernsehen sprach er auch mal die Spätausgabe der „Tagesschau“ am Sonnabend.

Dann wurde er Programmdirektor, nicht beim NDR, wo man „für so was die Ochsentour“ machen muss, sondern für dreieinhalb Jahre beim damals neuen Privatradio ffn in Hannover, das er am 31. Dezember 1986 mit dem Wort „Anfangssatz“ auf Sendung schickte. Begabte Mitarbeiter hatte er da, beispielsweise Cassian von Salomon (bis vor Kurzem Chefredakteur „Spiegel-TV“), Georg Mascolo (heute „Spiegel“-Chefredakteur), als Sendeassistentin Frauke Ludowig (heute RTL-Star) oder Gabi Bauer (jetzt „Tagesthemen“).

Dann zog es Römling auf Umwegen zurück zum NDR und landete schließlich wieder an der Rothenbaumchaussee. Dort hat er fast alles moderiert, „was nicht niet- und nagelfest war“, wurde 1995 Musikchef der „Hamburg Welle“, bis zur radikalen Musikwende des Programms im Jahr 2000.

Seither moderierte der bekennende Gourmet den Freitagvormittag und kümmerte sich immer stärker um sein Lieblingsthema: Essen und Trinken und avancierte so zum Liebling der Radio hörenden Hausfrauen. „Für Genießer“ am Freitag gibt es seit dem Jahr 2000 – mit Produktinformationen, Restauranttipps, Gesprächen mit Köchen, Menü- und Weinempfehlungen.

Und 2005 kam seine „Sonntagsküche“ dazu, in denen er das Kochen in der eigenen Küche als Action-Hörspiel inszeniert. Ehefrau Hanne als Tonfrau mit dem Mikrofon dicht dabei, wenn die Schalotte geschnitten wird, der Speck in der Pfanne brutzelt oder der Mixstab einen Orkan simuliert. Er kocht, erzählt dazu, was er tut, und man spürt die Küchenatmosphäre so authentisch, dass fast schon der Küchenduft aus dem Lautsprecher weht. Den Anfang, das weiß er, als wär’s gestern gewesen, machte sein Zitronenhuhn, den Schlussakkord wird am Sonntag Rote-Bete-Topinambur-Salat mit gebratenem Zanderfilet setzen (10.15 Uhr). Wer ihn vermisst, der findet seine jüngeren Sendungen als Podcast und viele Rezepte unter www.ndr.de im Internet.

Heute von 9 Uhr an steht er zum letzten Mal vor einem NDR-Mikrofon, um 11.15 Uhr gibt es noch einmal „Für Genießer“, um kurz vor 12 Uhr wird er sich ein letztes Mal auf Plattdeutsch verabschieden: „Tschüs all to hoop, hol di oprecht un lot di nich an de Faarv komen.“ Seine Frau holt ihn mit den beiden Hunden, Borderterrier Pelle und Zypernpudel Lotta, zum ersten und letzten Mal im Studio ab. Danach geht der Moderator auf Sylt erst einmal auf Abstand und nur noch auf Sendung, wenn er SMS verschickt. Es gibt NDR-90,3-Fans, die sich das noch gar nicht vorstellen können. Er schon.

Hans-Juergen Fink

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